Buenos Aires – Auf ein Tänzchen

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Ich bin gespannt, was Südamerika für mich bereithält. Meine erste Station ist Buenos Aires. Neben modernen Glasbauten, findet man historische, aufwändig restaurierte Gebäude, neben halbzerfallenen, ehemaligen Schönheiten, neben hässlichen Plattenbauten. Wider meiner Erwartung sehen die Menschen hier ziemlich europäisch aus. Schwarze und braune Haare überwiegen zwar, aber es finden sich durchaus auch blonde und rothaarige Argentinier mit entsprechend heller Haut. Die Argentinier hier sind stolz auf ihre spanischen, italienischen, protugisischen, polnischen und nicht zuletzt deutschen Wurzeln und erwähnen das auch bei jeder Gelegenheit. Ich finde sofort einen Draht zu den quirligen Leuten, die alles mit der sprichwörtlichen südamerikanischen Leidenschaft erledigen und erklären. Dabei sind sie auf der anderen Seite sehr entspannt und freundlich. Wann immer ich Hilfe brauche, nehmen sie sich ausgiebig Zeit.

Ich probiere mich im Tango, das darf hier in Buenos Aires auf keinen Fall fehlen. Eine Tango-Show natürlich auch: 8 Musiker mit Ziehharmonika, Saxophon, Klavier, Syntiziser und Kontrabaß machen gehörig Stimmung. Ein älterer Sänger, der vom Publikum bejubelt wird und wohl eine lokale Größe ist, gibt ein sentimentales Tangolied zum Besten. Die Tanzpaare legen leidenschaftliche Tangotänze hin. Mal wirbeln mehrere Pärchen zusammen über die Bühne, mal konzentriert sich alles auf ein einsames Pärchen. Mal wird ein theatralisches Stück über Liebe, Eifersucht und die Qual der Wahl eines Mannes zwischen zwei Frauen, getanzt; mal ganz klassisch, elegant die Bühne erobert. Ich lassse mich völlig mitreißen, die Anmut und gleichzeitig Energie faszinieren mich.

Hier gibt es den Brauch des Mate-Trinkens. Ein wirklich sozialer Bestandteil der argentinischen Bevölkerung. Das Mate-Set bestehend aus einem Becher, in den Mate-Teeblätter gefüllt werden und einem Trinkhalm aus metall, der am unteren Ende wie ein Löffel aussieht. Der Argentiner hält immer eine Thermoskanne mit heißem Wasser bereit und trifft sich auf einen Mate zu jeder Gelegenheit. Der Becher wird mit Blätter gefüllt und heißem Wasser aufgefüllt. Dann wird er in der Gruppe weitergereicht. Jeder darf mal ein oder zwei Schluck nehmen, dann wird nachgefüllt. Geht der Argentinier auf Reisen, nimmt er sein Mate-Set mit. Eigentlich eine schöne Tradition, die überall durchgeführt wird. Nachmittags trifft man sich mit Freunden auf einen Mate, bei der Arbeit in der Pause. Macht man einen Ausflug, trinken alle Mate, trifft man sich zufällig auf der Straße, trinkt man Mate. Und manchmal darf auch ein Tourist mittrinken. Schmeckt für den europäischen Gaumen allerdings gar nicht lecker, muss man sich wohl erst dran gewöhnen. Außerdem gibt es hier noch typisch argentinische Gerichte, die wir aber nirgendwo auf der Speisekarte finden. Locro zum Beispiel. Ein Eintopf aus Bohnen, Gemüse und Fleisch. Uns wird erklärt, dass es diese Gerichte nur zu bestimmten Feiertagen und nur von Mama gibt. Haben wir sowas in Deutschland auch? Außer Milchreis und serbische Bohnensuppe will mir nichts einfallen, was nicht auch in Restaurants zu finden ist. Dafür werden mit viel Liebe Steaks serviert, immer mit einem leckeren Wein. Gemüse wird dabei eher auch mal vergessen.

Schade, dass die Sicherheit in der Stadt nicht so hoch ist. Ich werde gleich am ersten Tag vor dem U-Bahnfahren gewarnt. Taschen immer vorne tragen, Schmuck besser nicht tragen. Abends das Taxi nehmen und nicht die öffentlichen Verkehrsmittel. In der Bank darf ich kein Handy benutzen, schließlich könnte ich andere informieren, wer gerade Geld abghoben hat. Passiert ist mir zum Glück in all den Tagen nichts.

Nach soviel Großsstadt geht’s jetzt erstmal wieder aufs Land. Ich mache mich auf den Weg nach Patagonien.

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